Was wissen wir normalerweise über das GG? Wenn wir ehrlich sind – meistens wenig. Das, was wir über das GG wissen, sind in der Regel Schlagworte, Schlagworte, die sich meist auf Rechte beziehen, die wir zu haben glauben. Was wir gerne vergessen ist, dass das GG diese Rechte auch einschränkt (z. B. die freie Entfaltung der Persönlichkeit endet dort, wo sie die Rechte Anderer einschränkt), und dass es uns auch Pflichten auferlegt.

Im Juli 1948, gut drei Jahre nach Kriegsende, wurden die Ministerpräsidenten der elf westdeutschen Länder (Westzone) von den Alliierten – Frankreich, Großbritannien und USA – aufgefordert, eine Verfassung zu erarbeiten und eine verfassunggebende Nationalversammlung einzuberufen. Um die bestehende Teilung in Ost und West nicht zu vertiefen und wegen der Hoffnung auf eine baldige Wiedervereinigung, wollten die Ministerpräsidenten keine Verfassung ausschließlich für die Westzone schaffen. Deshalb wurde, statt einer Nationalversammlung ein sogenannter parlamentarischer Rat einberufen, der ein vorläufiges Dokument, das Grundgesetz, erarbeiten sollte. Dieses sollte nach der Wiedervereinigung in eine Verfassung überführt werden.

Der Parlamentarische Rat bestand aus 65 Mitgliedern aus den westlichen Bun-desländern. Nur vier davon waren Frauen. Dieser Rat begann ein Grundgesetz zu erarbeiten, das die Fehler der Weimarer Verfassung vermeiden sollte. „Wegweisend ist der erste Artikel: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Damit wurde dem Staat eine neue Rolle zugewiesen. Er wurde zum Beschützer der individuellen Grundrechte: Er sollte dem Menschen dienen, nicht mehr der Mensch dem Staat. Als “kopernikanische Wende” bezeichneten das später Staatsrechtler.“ (Zitat Die Zeit)

Viele unterschiedliche und kontroverse Meinungen mussten über Parteigren-zen hinweg „unter einen Hut gebracht werden“ – zum Beispiel zur Todesstrafe, zu deren Befürwortern zunächst auch der spätere Bundespräsident Theodor Heuss zählte. Sie wurde schließlich abgeschafft.

Unter den heftig diskutierten Artikeln war auch Artikel 3. Er bestand zunächst nur aus dem Satz (1) “alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“. Durch den Einsatz der SPD Abgeordneten Elisabeth Selbert, u. a. durch die Mobilisierung der Öffentlichkeit, gelang es jedoch die Formulierung “Männer und Frauen sind gleichberechtigt” als Absatz 2 durchzusetzen.

Am 23.Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet und von den Alliierten genehmigt.
Die Mütter und Väter des Grundgesetzes hatten es als Provisorium bis zu einer Wiedervereinigung angesehen und ahnten nicht, dass es bis dahin noch vierzig
Jahre dauern sollte. Sie ahnten auch nicht, dass ihnen mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das über allen deutschen Rechtsnormen steht, ein großer Wurf gelungen war. Noch 70 Jahre später hat es nichts von seiner Aktualität und Gültigkeit verloren und ist praktisch die Verfassung der BRD.

Im Lauf der Jahre waren immer wieder Anpassungen notwendig, um Entwicklungen, die bei der Formulierung noch nicht vorhersehbar gewesen waren, einfließen zu lassen. Die Hürden für eine Änderung des Grundgesetzes liegen je-doch hoch. Es bedarf jeweils einer Zweidrittelmehrheit sowohl des Bundestags als auch des Bundesrats, um eine Änderung wirksam werden zu lassen. Einige Grundsätze sind noch stärker vor Veränderungen geschützt. Der “Schutz der Menschenwürde”, die “Meinungs- und Pressefreiheit” und die “Glaubensfreiheit” können vom Gesetzgeber auch nicht mit der Zweidrittelmehrheit geändert werden.

Die Themenausstellung 70 Jahre Grundgesetz ist ein Experiment.
Vielleicht kann sie ein Anstoß für die Besucher sein, sich mit dem GG auseinanderzusetzen. Vielleicht wird den Besuchern auch bewusst, welchen Schatz wir mit dem GG haben und dass es notwendig ist, dass jeder und jede Einzelne von uns die Grundrechte im täglichen Leben verteidigt.

Die Bramscher Nachrichten und die Neue Osnabrücker Zeitung berichteten über die Ausstellungseröffnung.

Einige Impressionen von der Eröffnung unserer 32. Jahresausstellung im Tuchmachermuseum Bramsche am 08. November 2019.